03.03.2016

Benchmarking der Demografiefestigkeit im Handwerk

Unsere kleinen und mitteständischen Handwerksunternehmen spüren die Auswirkungen des demografischen Wandels schon heute verstärkt. Es liegt in der Schwierigkeit, Fachkräfte zu rekrutieren, die Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter zu erhalten und gleichzeitig ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Entscheidend ist die Sicherung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Betriebe, denn bereits nahezu 50% unserer Handwerksbetriebe müssen personalbedingt Aufträge ablehnen.

Die Projektidee ist es, mit Hilfe eines Benchmarking-Ansatzes (Betriebsvergleich) werden Betriebe in die Lage versetzt, einzuschätzen, wie gut sie im Hinblick auf die zukünftigen Herausforderungen des demografischen Wandels aufgestellt sind. Dazu wird ein aussagekräftiges und gleichzeitig schlankes Bewertungsinstrument, bestehend aus einer Checkliste für Betriebsinhaber/‑in, einem Kennzahlenset und einer Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Jeder Betrieb erhält seinen Bericht mit detaillierten Ergebnissen des eigenen Betriebs im Vergleich zu den anonymisierten Werten der anderen Benchmarking-Unternehmen. Diese umfassende Analyse bildet den Ausgangspunkt für die Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen. Über einen Workshop werden die teilnehmenden Unternehmen von den erfolgreichen Ideen der Besten profitieren.

Ihr Nutzen
Standortbestimmung: Ausführliche Ergebnisse zur Fitness Ihres Betriebs für die Herausforderungen des demografischen Wandels
Austausch im Netzwerk: Fachlich begleitete Austauschveranstaltung mit anderen Unternehmen, um von guten Ideen anderer zu profitieren
Steigerung Ihrer Zukunftsfähigkeit: Umsetzung von Verbesserungen und Steigerung der Attraktivität Ihres Betriebs für Fachkräfte und Auszubildende sowie gezielte Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter

Sämtliche gewonnenen Informationen werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Für den Benchmarking-Vergleich werden den anderen teilnehmenden Unternehmen nur anonymisierte Vergleichswerte zugänglich gemacht. Ausnahme: Ist die Bestenliste, hier wird das beste Unternehmen eines jeden Themenfelds den anderen Benchmarking-Unternehmen offengelegt. Das Projekt wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz gefördert und ist somit für die teilnehmenden Betriebe kostenfrei. Es wird gemeinsam vom Institut für Technologie und Arbeit e.V. Kaiserslautern (ITA) in Kooperation mit Mainzer Kompetenz Initiativen Mainz e.V. (MKI) und dem Dienstleistungszentrum Handwerk GmbH Ludwigshafen (DLZ) durchgeführt.

ERLEBBARE GESCHICHTE DES PROJEKTS

Peter Müller, Inhaber einer Schreinerei mit 20 Mitarbeitern, war zuerst überrascht. Bisher hatte er immer gedacht, sein Betrieb sei für den demografischen Wandel gut vorbereitet. Er hat eine Laufgruppe ins Leben gerufen, schickt die Vorarbeiter alle paar Jahre auf Fortbildung und hat seit einiger Zeit keine Schwierigkeiten mehr, Auszubildende zu finden. Das liegt an seiner Idee der „Azubi-Karte“. Jede/r neue Auszubildende erhält ein Gutscheinheft mit Kino- und Schwimmbadfreikarten, aber auch Gutscheinen für kostenlose Fahrten zu Fachmessen, selbst wählbaren Fachkursen und 14tägigen Praktika bei anderen Betrieben.Dann hat er am Demografie-Benchmarking teilgenommen. Beim Studieren seines Auswertungsberichtes war Peter Müller zufrieden, seinen Betrieb im Bereich Ausbildung auf Rang 1 zu entdecken. Doch er fand auch mehrere Bereiche, in denen sein Betrieb ziemlich weit hinten in der Rangliste auftauchte. Vor allem im Bereich der Gesundheitsförderung fiel eine vergleichsweise geringe Beteiligungsquote auf. Müller ärgerte sich tatsächlich  darüber, dass bei dem Lauftreff nur wenige mitmachen. Er fuhr zu dem Auswertungsworkshop, an dem alle Benchmarking-Teilnehmer anwesend waren. Hier wurde Peter Müller gebeten vorzustellen, warum sein Betrieb eine so hohe Bewerberquote bei Auszubildenden aufweist. Natürlich stellte er die Azubi-Karte vor und wurde dazu intensiv befragt. Der Chef eines großen Sanitärbetriebes stellte bei dem Workshop vor, wie es in seinem Unternehmen in Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse gelungen war, dass sich fast drei Viertel der Belegschaft an gesundheitsvorbeugenden Maßnahmen beteiligen. Das war für Peter Müller sehr spannend und so wurde vereinbart, diese Ideen in den moderierten Qualitätszirkeln detailliert vorzustellen und gemeinsam zu erarbeiten, wie diese Lösung auf andere Unternehmen übertragen werden kann.

Als Müller jetzt, zwei Jahre später den neuen Benchmarking-Bericht aufschlägt, ist sein Betrieb in der Gesundheitsförderung um einige Ränge nach oben geklettert. Die Azubi-Karte wird schon in mehreren Betrieben angeboten, weswegen es spürbar mehr Bewerbungen für alle Ausbildungsplätze gibt.

Ihre Ansprechpartner für dieses Projekt:

Institut für Technologie und Arbeit e. V.
an der TU Kaiserslautern (ITA)

Dr. Frank Eierdanz, Christian Bosse
Trippstadter Straße 110
67663 Kaiserslautern
Tel.: +49 631 20583-30/19
Fax:  +49 631 20583-83
E-Mail:  frank.eierdanz@ita-kl.de


Mainzer Kompetenz Initiativen e.V.

Esther Herzog-Buchholz
Augustinerstr.64-66
55116 Mainz
Tel.: +496131-32 84 20
Fax: +496131-32 84 89
E-Mail: esther.herzog@mki-ev.de


Dienstleistungszentrum Handwerk GmbH

Klaus Schick
Ludwigsplatz 10
67059 Ludwigshafen
Tel.: +49 621 59114 - 23
Fax: +49 621 59114 - 50
E-Mail: schick@dlz-handwerk.de